| ruf der heimat
Das Quartett gründete sich 1992, zunächst nur mit Petrowsky als zweiten Saxofonisten, dann einige Jahre verstärkt mit Peter Brötzmann, oder auch immer wieder in der erweiterten Formation mit Petrowsky und Heinz Sauer. Dazwischen aber auch Touren mit Charles Gayle,Roy Campbell (trumpet), Johannes Bauer und Olaf Rupp.
"Es ist hinreißender, hymnischer Free Jazz, den das Berliner 4-tet Ruf der Heimat spielt, nein: zelebriert. Vielleicht liegt das daran, dass Bandleader und Saxofonist Thomas Borgmann sich stets als »wertkonservativ« bezeichnet hat. Seine eher traditionelle Spielauffassung zündet aber in diesem Free Kontext: Sein melodiöser Sound verleiht der Musik erst das unwiederstehlich-euphorische Element." (Stadt Revue, Köln 03.2003)
Stuttgarter Zeitung [21.10.04]: "... Petrowsky antwortet auf Borgmanns markante Tenorsax-Stimme auf seine Weise: hoch energetisch und sehr einfühlsam. Der Schlagzeuger entfacht wahre Donnerwetter. Urplötzlich verklingt das dröhnende Klanggewitter, die Schlagzeugbesen klingen wie Regen, und die Holzbläser schließen die Augen, werden ganz lyrisch und reihen einen pastoralen Wohlklang an den anderen. Freie Musik, die ihre Schönheiten nicht leichtfertig preisgibt ..." Weser-Kurier [13.12.06]: Eine Explosion der Klänge "... endet in einem monumentalen Rausch der Klänge. Freejazz von höchster Qualität bot sich da im Kito den Zuhörern. Doch das Quartett stellt nicht nur Anforderungen an sich selbst, sondern auch an das Publikum: "Folgt uns", scheinen sie musikalisch zu rufen. Lockende Töne setzen sie dafür ein, preschen plötzlich vor, gehen auch mimisch völlig in ihrem Spiel auf und bieten Jazzfans ein unglaubliches Erlebnis kreativen und experimentierfreudigen Spiels. Ein Auftritt, der einen riesigen Applaus verdient hatte. Jazzdimensions [20.09.06] "Die Heimat rief ... lautstark, leise, verquer, bellend, schön: Viele kamen und fühlten sich heimisch, offenbar wohlvertraut mit dem Gebotenen. Das ist nicht wenig, ging es doch um die freie Form, also "Jazz für Jazzer": impulsive, explosive Kompositionen vom Fleck weg, die Musikern und Zuhörern einiges abverlangen..." |
| RUF DER HEIMAT Es bricht hervor. Klanggewaltig. Wie eine Druckwelle. Das Ich und das Es und das Wir. "Ruf der Heimat" läßt eine Kollektivgesinnung wach werden, die nichts mit arbeitsteiligen Bastelstunden zu tun hat. Die Energie des Spielflusses entwickelt ihre eigenen Formen. Große Spannungsbögen und filigrane Ziselierungen der mächtig in die Arena geworfenen Tonstücke. Ein archaisches Ritual, gleichwohl ein Griff nach der Utopie. Schließlich ganz gegenwärtig: die Unmittelbarkeit des Musizierens, des Musik-Machens. Physische Direktheit und emotionaler Aufschrei, Qual und Lust des Erschaffens aus dem Moment. Ganz in der Tradition des "sound of the cry", des Jazz als Lebens- und Überlebensmedium. Lautstark persönliche Setzung gegen offizielle Verlautbarungen. Entgegensetzung und Selbst- ohne Schutzbehauptung. Heimat meint wohl für immer" mehr immer weniger konkret Geographisches. Sofern es überhaupt sinnvoll erscheint, den Gruppennamen thematisch zu deuten, wäre nach dem Assoziationsfeldern der musikalischen Heimat zu fragen, nach den Wurzeln in Jazztradition und den Verzweigungen im Gestrüpp der freien Improvisation. Ernst-Ludwig Petrowsky, den der Klang des Jazz bereits in den fünfziger Jahren herausgefordert hat, kann am weitesten zurück- und doch in enger Tuchfühlung mit Thomas Borgmann, dem Jüngeren, zugleich vor-ausblicken. Sie alle, auch Christoph Winckel und Willi Kellers kamen in den Turbulenzen des Free Jazz zu neuen Ein- und Aussichten. Kaputtspiel und Ganzheitserlebnis. Vertrauen in die vorbehaltlose Selbstäußerung. In die Kraft, den Augenblick zu gestalten. In die Fähigkeit, den Ruf zu beantworten. Nicht als Echo, sondern mit eigenen Stimmen und eigenen Liedern auf den Lippen. Auch die Bläser machen in diesem Quartett den Rhythmus, auch der Baß und das Schlagzeug singen und schreien. Im Spektrum der Holzblaskombinationen kommt die Ballade ebenso ins Assoziationsfeld wie die Materialerforschung. Der Erzählgestus ebenso wie die Sound-Collage. Heimatlinien führen zurück zu den hitzigen Jahren des schwarzen Aufbruchs und zu den Befreiungsprozessen des europäischen Jazz. Eine Emanzipation mit Folgen. Free Jazz nicht als Schimpfwort und ohne die Vorsilbe "post-". Rück- und Vorausgriff. Aktuelle Musik, die weder einer Erklärung noch einer Rechtfertigung bedarf. Musik deren heißer Atem auf der Haut brennt. Bert Noglik |
R U F • D E R • H E I M A T Ost und West und der Ruf der Heimat Kenner schnalzen bei solchen Namen mit der Zunge. Doch leichte Kost aus West und Ost wird da beileibe nicht gereicht. Bei den Protagonisten handelt es sich immerhin um Leuchttürme des guten alten Free Jazz. Eimerwerfer und dilettierende Krachmacher sind das allerdings nicht! Auf dieser Szene kann sich nur halten, wer sein Instrument und die Kunst der Interaktion beherrscht. Wer auf Egotrip ist, fliegt. So ein Konzert mutet an wie ein Werkstattbesuch. Man wird Ohren- und Augenzeuge eines Entstehungsprozesses. Es handelt sich bei den Improvisationen um Einzelfertigungen, um einmalige und unwiederholbare Hör-Ereignisse. Denn Vorgefertigtes und Versatzstücke sind verpönt. Wer - wie die recht erkleckliche Schar in der Dieselstraße - dem Ruf der Heimat folgt, trifft auf das Trio von Saxofonist Thomas Borgmann mit Willi Kellers am Schlagzeug und dem sehr hörenswerten Christoph Winckel am Bass Freie Musik, die ihre Schönheiten nicht leichtfertig preisgibt, ist offen: Sie hält viele Antworten bereit. Thomas Stoiber (Stuttgarter Zeitung 17. Oktober 2004)
>Die Musiker verschmelzen mit ihren Werkzeugen in einem akustischen
Rausch.(...) Die Zuschauer zucken entweder mit, sitzen mit glasigem Blick
starr auf ihren Stühlen oder schütteln im Angesicht der über
sie hereinbrechenden Urgewalt ungläubig den Kopf. 'Punk ist ein
Dreck dagegen' oder 'bevor ich taub werde, sterbe ich an Herzinfarkt',
lauten zwei Kommentare. Dennoch: Hochzufrieden sind die Free-Jazz-Enthusiasten
nach eineinhalb Stunden.< >Was diese vier Individualisten im fein abgestimmten Zusammenspiel
präsentierten, war die kollektive Erschaffung, Beschwörung
und Negation des flüchtigen Augenblicks, war frei improvisierte
Musik als kontinuierlich fließender Energiestrom. Ein Jazz-Konzert
zum Auftanken, in dem auch die leisen Töne äußerst reizvoll
waren.< >Dazu enfesselt ein Jazz-Quartett, das andernorts unter dem grotesken
Code 'Ruf der Heimat' auftritt, ein Schlachteninferno aufgewiegelt von
den gnadenlosen Heimsuchungen Peter Brötzmanns auf dem Saxophon.< >Einer der stärksten Momente des Jazz-Festivals von Mulhouse
war die Teilnahme des deutschen Saxofonisten Peter Brötzmann.(...)
Gewaltige, totale, fieberhafte Energie. Mehr als dreißig Jahre
dauert sie schon an. Peter Brötzmann und Thomas Borgmann laden damit
ihre Saxofone auf. Sie richten sich sofort auf den Höhepunkt ein.
Sie erklimmen ihn nicht, sie sind bereits da. Ein ständiges Wogen,
hervorgerufen durch Baß (Winckel) und Schlagzeug (Kellers); eine überwältigende
Stunde, vielleicht auch mehr, die Zeit ist bedeutungslos geworden. Die
Saxofone lösen sich ab, vermischen sich, rufen sich gegenseitig
auf.(...) Prächtige Klänge, glänzende Ausbrüche.< >Es war eruptiver Jazz, es war brachialer Punk, es war Techno, Swing,
Folklore, es war große Klasse< >Der 'Ruf der Heimat' hat keine Wurzeln, die Nährstoffe aus
den volkstümlichen Terzen, Quarten, Quinten und Viervierteltakten
saugen, sondern aus dem Nichts und den eigenen Energieströmen. Das
ist Kunst! Und erfordert Mut! >'Ruf der Heimat' ist wie ein Jungbrunnen in kalten,
einsammen Tagen< >Garantiert sind zwei Stunden voll
sexueller Energie, Lust, Leidenschaft, Katharsis.< >All in all, Ruf der Heimat is a formidable set
of European style free improvisation> >... sorgte bei den Zuhörerinnen für adäquate
Reaktionen, sie duckten sich nicht weg, sondern hielten die Ohren in
den Wind und
zwangen die vier Musiker zu zwei Zugaben<
R U F • D E R • H E I M A T >Kaum jemand dekliniert die freie Improvisation so konsequent, so
geschichtsbewußt und, tja, trotzdem so unbekümmert durch,
wie diese vier Herren. Und schwupp! Hier versagt dann auch schale Journalistenprosa
(...) Jazzplatte des Jahres!< >Das Quartett legt einstündiges Powerplay vor, das in seiner
Dichte und Intensität atemberaubend ist< >Die Musiker schaffen sich einen Raum, in dem subtile, konzentrierte
Prozesse möglich sind, bei denen man sich fragen muß, ob sie
wegen oder trotz des hochenergetischen Levels möglich sind. Jedenfalls
wird kein Ton zuviel gespielt.(...) Kurzum: Die CD ist nicht so gut,
weil hier Brötzmann mitspielt, sondern weil sie vom Ruf der Heimat
ist< >So war der improvisierte Auftritt dieser vier Musiker ein polarisierendes
Ereignis auf dem Festival und zugleich ein glücklicher Modellfall
der Integration von Expressivität und elaborierten formgebenden
Spielhaltungen< >Und wo früher bei Brötzmann & Co. immer auch ein Stück
beschädigtes Leben mitzuschwingen schien, sobald es dann doch einmal
leise und zärtlich wurde, da herrscht jetzt sichere Virtuosität
im raffinierten Wechselspiel. Noch einen Wiskey, bitte.< > Die vier präsentierten ungeschminkten
HardCoreFree, Marke Machine Gun.(...) eine Entfesselung, ein Amphetaminschub.< >ein kollektives Homage an die wilde Schönheit
der Anarchie. Free Jazz lebt!< >Musikalischer Sturm auf immer höhere
Gipfel< >Entstaubter Free Jazz< >Frei,schrill und wohlbehaust< >Phantasie und kraftvolle Improvisation - Begeisterte Zuhörer
wollten immer mehr Zugaben hören< >Freiheit der Töne. Beim Gastspiel im gut besuchten Jazzstudio
Nürnberg huldigten Petrowsky & Co. den wilden Schönheiten
der Vergangenheit.(...) Von den jungen Begleitern Petrowskys machte vor
allem der Saxofonist Thomas Borgmann aufhorchen, der einen wandlungsfähigen,
kraftvollen Ton und langen Atem hat. Der Bassist Christioph Winckel und
der Schlagzeuger Willi Kellers erweisen sich eher als lustvolle Berserker,
die mit Urkräften zuweilen alles niederwalzten was ihnen in die
Quere kam.<
R U F • D E R • H E I M A T >...Inzwischen bläst auch ein Brötzmann Läufe, erkundet
Melodien und spielt schön. Zumindest manchmal, wenn das Quartett
ein neues Stück noch aufbaut. In Thomas Borgmann hat der wilde Peter
Brötzmann einen formbewußten Partner, der auf Sopran- und
Tenorsaxofon Themen aufbaut, diese im Zusammenspiel mit dem Bassisten
Christoph Winckel und dem Schlagzeuger Willi Kellers auch am Leben erhält
und sich von Brötzmanns freien Umspielungen auf dem Alt oder Klarinette
kaum beirren läßt. Dieser Gegensatz der Bläser sorgt
für Spannung, und das permanente Hochenergiespiel von Willi Kellers
würzt sie. Filigrane Tongebilde entstehen so, doch bevor sie zu
schön werden, "brötzt" der Senior dazwischen, läßt
sein Saxofon jaulen und quietschen, als habe es den Kolbenfresser: Der
reine Wohlklang wäre dann doch zu schön.< >DIE SCHIERE URGEWALT DES FREEJAZZ: Ein intensives Gastspiel der
Combo 'Ruf der Heimat' im Jazzclub, ...Bleibt zu hoffen, daß die
Zuhörer mit einer Sucht nach dieser Musik davonkommen.< >Für die ungeheure Wucht dieses natürlichen Klanges, mit
der die Kollektiv-Improvisationen auf einen zukamen, sorgte die Rhythmusgruppe.
Schlagzeuger Willi Kellers und Christoph Winckel (Bass) waren tragende
Säulen, boten mit virtuoser Technik excellentes freies Spiel und
fanden auch kurzfristig zum swingenden Drive. Thomas Borgmann spielte
lyrisch, sensibler und mit mehr hymnischen Gestus als Brötzmann...< >...Im stetigen Wechsel hetzten die beiden in vehementer Spielweise über
den von Kellers und Winckel so brilliant ausgebreiteten Rhythmusparcours.
Während Borgmann seine Soli eng am Rhythmus führte, spielte
sich Brötzmann virtuos durch alle Höhen und Tiefen der atonalen
Kunst. Für ein paar wenige im Sauschdall zuviel der expressionistischen
Kunst, für die meisten aber ein musikalischer Hochgenuss.< >Wenn der FREE JAZZ eine Stilistik oder Schule ist, dann gehört
heute zu seine aufstrebensten Schülern und Protagonisten der deutsche
Saxofonist Thomas Borgmann, und wenn dies höchst energetische Spielart
des Jazz noch immer seine uneingeschränkte Berechtigung hat, dann
nur wenn sich eine Band dem Genre so verpflichtet fühlt, wie es
Borgmann mit RUF DER HEIMAT vorexerziert. Mit Christoph Winckel und Willi
Kellers hat er eine Kerngruppe gefunden, die sich dieser Haltung bedingungslos
hingibt.< >Jazz bedeutet körperlich spürbare Lust an der Musik. Und
weil Menschen lieber elementaren Lustgefühlen folgen als sorgsam
zurechtgelegten Argumentationsketten, war Jazz ein immer wieder wirksames
musikalisches Mittel des Wiederstands: Wiederstand des "schwarzen" Selbstbewußtseins
gegen die Entwürdigung, Wiederstand der hiesigen Nachkriegsjugend
gegen ihre faschistische Prägung, und MACHINE KAPUT gegen das Verkommen
des Free-Jazz zu einer leeren Stilhülse, in die Konservatoriumszöglinge
ihre Kompositionen stecken könnten. Die Gruppe RUF DER HEIMAT zeigt
bei erstaunlicher melodischer Geschlossenheit: Free-Jazz ist kein Stil,
sondern eine Einstellung.< >Die vier klingen wie ein Bebop-Quartet unter Acid (...)Brötzmann
und Borgmann blasen einen diabolischen Dialog (...) Das Quartet spielt
ein wildes Perpetuum Mobile: schnell, aggressiv - und virtuos.< 1. Platz im Record Poll '96 in der Edithor's Choices im CADENCE JAZZ MAGAZINE 1'97 für CD 'ERSTE HEIMAT'!! |
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